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Einst schrieb ich in mein Notitzbuch:

„Was bringt es mir, wenn meine Fassade eine Beziehung zu anderen Menschen aufbaut?“

Ich will lernen authentisch zu sein. Doch was tue ich unter euch: Ich erzähle von bunten Blättern von Sonnenschein und Herbstlaubrascheln.

Was heißt das schon, ehrlich sein? Nehme ich den ganzen Kuchen Ehrlickeit oder lieber nur die Hälfte, liegt er mir und euch sonst zu schwer im Magen?

Ich habe meist Verantwortung, irgendwie.

Meine Aufgabe ist es Hoffnung zu finden.

Also erzähl ich euch mal von den guten Dingen, den schönen in meinem Leben, der Hoffnung die mir neu geschenkt wurde – all das ist wahr.

Doch ist das alles? Soll ich ehrlich sein?

Noch bevor ich es könnte, fasse ich mich selbst am nicht vorhandenen Hemdkragen und flüster mir zu: “ Jetzt sei bloß nicht so ’ne Pussy.“

Ich atme tief durch, lächle euch ins Gesicht – weil ich das kann, ich hab lang genug geübt.

Hoffnung – Hoffnung sähen, Hoffnung finden, Hoffnungsschwanger sein. Was heißt das?

Ich versuche mit meinen Worten zu sagen „alles wird gut.“.

Mein schweren Gedanken haben doch keine Relevanz und die schleichende Gewissheit, in mir noch immer eine archaische Dunkelheit zu finden ist nur eine Illusion. Wenn dies meine Realität ist und für mich alles andere nur Flucht, behalte ich das lieber für mich.

Ich sehe euch zu wie ihr redet, freue mich aus ehrlichem Herzen. Wie gern möchte ich so vieles mit euch teilen, doch bleibt die Angst einer Rolle nicht gerecht zu werden, mich selbst zu disqualifizieren.

So gebe ich von mir – wie gelernt – was angemessen ist, was Hoffung macht. Solange man nur nicht nachfragt.

Ich behalte für mich was traurig und schwach klingt. Zelebriere damit meine mir so vertraute Fassade.

„Was bringt es irgendwem, wenn meine Fassade eine Beziehung zu anderen Menschen aufbaut?“

Ich lege vor dich meine Worte aus den Quellen in meinem Herzen, in Tönen, manchmal schwarz auf weiß, weil ich mit euch verbunden sein will. Weil ich mich sehne mit euch Ehrlichkeit zu teilen. Weil ich Hoffnung in mir trage auf eine ehrliche Welt ohne Versteckspiel und Fassade, eine Hoffnung auf eine Welt ohne Einsamkeit.

Was ich will ist ehrlich sein.

Was ich tue ist ehrlich sein, eure Reaktionen überinterpretieren, alles abgrundtief bereuen und meine kaputte Fassade wieder zusammenfügen.

Ich gehe und mir tut alles weh, Hände zittern, in den Ohren ein pulsierendes Rauschen.

Und ich verbleibe – in der Gewissheit, dass ich euch all das niemals sagen darf.

Ich habe Gerüchte gehört, davon wie Menschen offen mit ihren Schwächen und Fehlern, ihrem ganzen Zerbruch umgehen. Wie sie den Mann am Kreuz hängend ansehen und den Blick nicht von ihm abwenden, wie sie nicht mehr vorgeben die Welt wäre nur halb so schlimm und das Leben steter Sonnenschein mit stellenweise Schauern.

Ich habe gehört dass Menschen sich nicht mehr selbst retten müssen – durch die Flucht vor sich selbst. Und doch laufe ich und vielleicht laufen wir alle vor und selbst davon.

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