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Dr. Hans Asperger, geboren am 18.02.1906, war ein österreichischer Kinderarzt und Heilpädagoge.

Im Jahr 1943 erschien seine Schrift „Die „Autistischen Psychopathen“ im Kindesalter“ in der er auf Grundlage seiner Arbeit mit über 200 Kindern das Syndrom beschreibt, welches heute seinen Namen trägt.

Im Jahr 1932 übernahm Dr. Hans Asperger die Leitung der heilpädagogischen Abteilung der Kinderklinik der Universität Wien.

Ebenfalls in dieser Klinik hielt er am 3.Oktober 1938 einen Vortrag über die sogenannten „autistischen Psychopathen“. Dieser Tag lag nur ca. einen Monat vor der Reichspogromnacht. Die politische Situation war extrem angespannt. Der Druck zur Konformität und zur Nützlichkeit des Individuums für das Reich stieg bereits ins Unermessliche.

Seine Erkenntnisse besaß Dr. Hans Asperger aus der Beobachtung von etwa 200 Kindern, mit vermutlich jeglicher Form von Autismus. Eines dieser Kinder, beispielsweise, war Gottfried K. ein neunjähriger Junge. Gottfried reagierte sehr empfindlich auf Veränderungen seiner Routinen, hatte Angst vor anderen Kindern, war sozial ungeschickt und unaufmerksam, nahm Sprache sehr wortwörtlich und wurde von anderen Kindern gnadenlos gestichelt. Asperger beobachtete über 200 weitere, ähnliche Kinder. Einige von ihnen schaukelten vor und zurück oder wiederholten immer wieder dieselben Sätze.

Er formulierte in jenem Vortrag im Oktober 1938 die folgende Aussage:

Nicht alles, was aus der Reihe fällt, was also abnorm ist, muss deshalb auch schon minderwertig sein.

In Anbetracht der Zeit in der dies sagte und dem Regime unter dem er arbeitete war diese Aussage erstaunlich mutig.

Zeinah setzte in Wien die Sterilisation und die Euthanasie an Menschen die als Last für die Gesellschaft betitelt wurden ein, darunter fielen z.B. Menschen mit Schizophrenie, Epilepsie, angeborener Blindheit und anderen Abweichungen vom perfekten Zuchtmenschen für das „Reich“…

1938 wurden Massendeportationen durchgeführt, betroffen waren davon alle Menschen die als „asozial“ galten. Das bedeutet:

Bettler, Körperbehinderte, Denunziantenopfer, Wohnungs- und Obdachlose, Aufsässige, Wanderarbeiter, Legastheniker, Roma und Sinti, weibliche Homosexuelle, Waisen, Prostituierte, Zwangsprostituierte, Frauen mit wechselnden sexuellen Kontakten, Kleinkriminelle, ständige Nörgler, Menschen, die Armen oder gar KZ-Häftlingen halfen, Anarchisten, Gehörlose, Analphabeten, so genannte Arbeitsscheue, Bummelanten, Faule, Autisten, Stotterer, nicht „Reinrassige“, Volksschädlinge, Volksverräter usw.usw.

(Quelle: http://radiochiflado.blogsport.de/2010/04/10/schafft-den-tag-der-arbeit-ab/)

Aspergers einstiger Kollege Jekelius half den Nazis dabei einen Plan zu entwickeln um die Kinder mit neurologischen Abweichungen auszurotten.

Das erste Kind, welches so im Namen dieser Medizin getötet wurde war Gerhard Kretschmar, er wurde im Februar 1939 mit nur einem Arm, einem Bein, sowie Lernschwierigkeiten geboren und war blind. Hitler gab die Anweisung dieses Kind umzubringen, was dementsprechend durchgeführt wurde.

Im August 1939 erließ die Regierung ein Dekret, laut dem Ärzte alle mit Abweichungen geborenen Kinder zu melden hatten.

Dazu wurden im Oktober desselben Jahres die sogenannten T-4 Programme eingeführt, diese waren die Umsetzung der Tötungspläne an Kindern deren Erbgut imperfekt erschien bzw. die als unnütz einzustufen waren.

Die behinderten Kinder wurden in sogenannten Kinderfachabteilungen ermordet.

Aspergers ehemaliger Kollege Jekelius soll 789 Kinder in einer Klinik – ebenfalls in Wien – umgebracht haben. Die meisten davon waren vermutlich Autisten.

Mehr als 200.000 behinderte Kinder und Erwachsene starben aufgrund der T-4 Programme und der Kinder Euthanasie.

Dieser Kontext wirft ein besonderes Licht auf Dr. Hans Aspergers Schriften und Vorträge. Asperger war sehr darum bemüht, „seine“ Kinder als mögliche Genies und als Bereicherung für die Gesellschaft darzustellen. Er arbeitete sehr gewissenhaft auch ihre positiven Eigenschaften heraus. Die Vermutung liegt nahe, dass Dr. Hans Asperger seine Probanden vor dem sicheren Tod durch die Nazis bewahren wollte.

Meine Aufmerksamkeit zog besonders ein Kapitel in Hans Aspergers Schrift „Die „Autistischen Psychopathen“ im Kindesalter“ aus dem Jahr 1943 auf sich: Soziale Wertigkeit der Autistischen Psychopathen.

Asperger urteilt, dass sich seine Probanden an die Umweltanforderungen einfügen könnten. Nur diejenigen bei denen zusätzlich eine „ausgesprochene intellektuelle Minderwertigkeit“ hinzukäme finden sich Aspergers Meinung nach „günstigsten Falles“ in „untergeordneten Außenseiterberufen“ wieder.

Zu den nach seiner Definition „intellektuell intakten“ schreibt Asperger:

In der ganz überwiegenden Zahl der Fälle kommt es nämlich zu einer guten Berufsleistung und damit zu einer sozialen Einordnung, oft in hochgestellten Berufen, oft in so hervorragender Weise, daß man zu der Anschauung kommen muß, niemand als gerade diese autistischen Menschen seien gerade zu solchen Leistungen befähigt.

Die Unbeirrbarkeit und die Durchschlagskraft die in der „spontanen“ Aktivität der Autistischen liegt, die Eingeengtheit auf einzelne Gebiete des Lebens, auf ein isoliertes Sonderinteresse – das erweist sich hier als positiver Wert, der diesen Menschen auf ihren Gebieten zu besonderen Leistungen befähigt.

Gerade bei den Autistischen sehen wir – mit weit größerer Deutlichkeit als bei den „Normalen“-; daß sie von frühester Jugend an für einen bestimmten Beruf prädestiniert erscheinen, daß dieser Beruf schicksalhaft aus ihren besonderen Anlagen herauswächst.

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Asperger

http://www.neurodiversity.com/library_asperger_1944.pdf

http://www.spectator.co.uk/2015/09/did-hans-asperger-save-children-from-the-nazis-or-sell-them-out/

https://aspergiller.wordpress.com/2016/01/28/arbeitsscheu/

 

 

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