Schlagwörter

,

Eigentlich hatte und habe ich nicht vor, hier auf meinem Blog über solche Oberflächlichkeiten wie Haare zu schreiben.

Letztens sah ich einen Artikel darüber, dass ein Unternehmer zu einer Tagung ausdrücklich Menschen mit bunten Haaren und Piercings ausschloss (link). Das war der Auslöser weshalb ich jetzt mal über ein paar Äußerlichkeiten schreiben möchte.

Ich habe Dreads und ein Piercing im Gesicht. Beides habe ich mir im letzten Jahr „angeschafft“.

Lange Zeit habe ich mir solche Veränderungen an mir selbst verboten. Ich hatte doch einen Studienabschluss in einem wirtschaftswissenschaftlichen Gebiet und sollte dementsprechend eine „seriöse“ Arbeit finden, gut Geld verdienen, Auto kaufen, Haus bauen, 10.000 Versicherungen abschließen oder was weiß ich…. Ich wusste sehr wohl dass vor allem die Haare (Nasenpiercing ist einfach durch Hochklappen zu verstecken) dabei ein Hindernis darstellen können. Wie ist es also zu der Entscheidung gekommen?

Neben der Ästhetik und den Enttäuschungen die ich im normalen Arbeitsleben erlebte und aufgrund derer ich mich nun lieber von Anfang an zeigen möchte wie ich bin ließ mich folgendes diese Veränderungen in Angriff nehmen (Hinweis: das ist vielleicht etwas weitgesponnen und persönlich, daher nicht auf andere Menschen mit Dreads zu übertragen):

Wenn ich auf mein Leben bis hierher zurückblicke muss ich gestehen dass ich oft sichtbare, unumkehrbare Veränderungen brauchte um Umbrüche meines Inneren zu verwirklichen. Ich benötigte diese Signale an mich und mein Umfeld. Wenn ich an dem Punkt angekommen bin, an dem ich bereit bin den äußeren Schritt zu gehen kann ich auch innerlich zum Frieden finden.

Für mich symbolisierten die äußeren Veränderungen im letzten Jahr einen Beginn des Umdenkens. Ein Aufgeben und Kapitulieren vor den Vorstellungen der Welt darüber wie ich zu sein hatte und eine konsequente Bejahung meiner Person. Natürlich kann man so ein Umdenken auch ohne äußere Veränderungen vollziehen, aber ich hatte das Gefühl auch den äußerlichen Umbruch zu brauchen.

Ich fühlte mich auch bereit mit eventuellen Nachteilen zu leben, da ich diese auch erleben würde wenn ich äußerlich angepasst blieb, nur eben etwas zeitversetzt.

Und nun werde ich etwas über eine Frisur schreiben, es möge mir verziehen sein ….

Ein kurzer Exkurs zum Thema Dreadlocks:

Dreadlocks, woher kommt der Begriff?

Rastafari

Die Bezeichnung „Dreadlocks“ für diese Frisur stammt aus Jamaika, dort trugen die sogenannten Rastafarians die Filzhaare.

Wörtlich übersetzt heißt Dreadlocks „Furcht-Locken“. Es gibt unterschiedliche Theorien weshalb es zu dieser Bezeichnung kam.

Die erste Erklärung:

Die Rastfarians glauben an den Gott „Jah“ (den Gott der Bibel). Sie hielten die verfilzten Haare für besonders wichtig, da sie Antennen zur spirituellen Welt darstellten (diese Ansicht teile ich im Übrigen nicht bzw. kann ich nichts dergleichen durch meine Haare feststellen 😀 ). Außerdem sollte Simson in der Bibel schon Dreadlocks getragen haben. Die Furcht im Namen steht laut dieser Theorie für die Ehrfurcht vor Jah.

Die zweite Erklärung:

Die Rastafarians wollten sich durch ihre Haare während der 1940er Jahre von den Weißen abgrenzen indem sie dem Schönheitbild dieser Leute deutlich widersprachen. Diese Locken stellten also auch einen Protest gegen die Zerstörung der Kultur der Rastafarians durch die weiße Oberschicht dar. Da Menschen, genau wie heute, gegenüber allem was andersartig wirkt schnell Vorurteile erdichteten, gab es bald die wildesten Gerüchte über die Rastafarians. Die Weißen begannen sich vor ihnen zu fürchten, deshalb entstand der Name „Furcht-Locken“.

Darüber hinaus sollen die Dreadlocks bei den Rastafarians eine Löwenmähne symbolisieren und somit auf den Löwen von Judah hinweisen, wobei bei im Rastafari-Glauben damit wohl Haile Selassie gemeint ist, ein Kaiser von Äthiopien aus den 30er Jahren. Dieser sollte nach Rastafari-Glauben der wiedergeborene Christus sein.

By the way:

Ich habe zwar mit Haile Selassie nichts am Hut, habe aber 2013 das Thema „Löwe von Juda“ in einem Acrylgemälde verarbeitet:

loewe

Geschichte der Filzhaare vor der Entstehung des Begriffs:

Schon vor den Rastafarians trugen die Priester der Azteken im heutigen Mexiko die verfilzten Haare (bei ihnen waren diese übrigens auch schimmelig :-O ). Für diese Priester waren die Haare ein Statussymbol.

Im Hinduismus tragen bestimmte Mönche Dreads und fühlen sich dadurch mit der Gottheit Shiva verbunden. Durch diese Hinduisten in Indien übernahmen außerdem später in den 70ern die Hippies diese Frisur.

Auch im Islam gibt es Gruppierungen die traditionell Dreadlocks trugen, nämlich die Mönche des Sufismus.

Bedeutung für mich persönlich

In finde es überaus faszinierend, dass die Dreadlocks in vielen Kulturen als Symbol für Heiligkeit galten oder gelten. Aber was bedeutet denn Heiligkeit, es klingt im ersten Moment so wahnsinnig abgehoben und auch überheblich, vielleicht etwas für sogenannte religiöse Spinner?

Heiligkeit bedeutet, so habe ich es gelernt und denke auch so, ein Abgesondertsein von der Welt. Um das deutlich klarzustellen: Ich sehe mich definitiv durch mein Leben nicht als heiliger als irgendjemand sonst, weder erleuchteter noch moralisch besser, eine gewisse Abgesondertheit ist lediglich das was ich mir wünsche.

Lasst mich das erklären:

In der Bibel steht:

„Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte und Gewalten des Bösen, die über diese gottlose Welt herrschen und im Unsichtbaren ihr unheilvolles Wesen treiben.“ (Epheser 6,12, Hoffnung für Alle)

Diese Welt in der wir leben wird zu oft von so vielen schlechten Dingen bestimmt: Habgier, Ausbeutung, Unterdrückung, Nationalismus, Militarismus, Sexismus, Gewalt…

Ich bin so müde dieser Welt hinterherzurennen, mich selbst zu verkaufen, zu versklaven nur um im Strom mitschwimmen zu dürfen um am Ende festzustellen dass ich mich um mein eigenes Glück, meine Gesundheit und das Glück der mir nahestehenden Menschen gebracht habe.

Wenn ich mich weigere meine Kraft und mein Leben den „Mächten und Gewalten“ zur Verfügung zu stellen, dann ist mein persönlicher Kampf gegen diese Zustände schon im Gange. Und ich bin sehr froh dass ich diesen Weg nicht allein und nicht aus eigener Kraft gehen muss.

Für mich, wirklich nur für mich selbst, stellt eine äußere Veränderung auch einen Vertrag mit meinen Denkmustern dar: Schluss mit dem Alten, lass etwas Neues entstehen. Ich bin davon überzeugt, dass wenn sich das Denken darauf einstellt auch reale Veränderungen geschaffen werden können.

Ja, ich will abgesondert sein von dieser Welt und ihren Zielen. Ja, ich will andere Ziele verfolgen und das nicht allein aus meiner begrenzten Kraft sondern mit Gottes Hilfe. Wenn es das ist, dieses heilig sein, ja dann möchte ich heilig sein.

Und vielleicht kann mir persönlich diese unbedeutende Äußerlichkeit helfen mich jeden Tag daran zu erinnern wohin ich gehöre und wofür ich stehen möchte.

Links :

http://www.dreadlockz.net/background_dreadsname.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Dreadlocks

http://www.dreadzone.org/dread-info/dreadlocks-facts/

Advertisements