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Das würde ich an manchen Tagen gerne Leuten zurufen, die ihre gut gemeinten Ratschläge in übergriffiger oder bevormundender Weise an den Mensch bringen, und dabei auf den Beratschlagten eine Person projizieren welche demjenigen in oft keinster Weise entspricht.

Es gibt auch gute Ratschläge, für die ich unsagbar dankbar bin und Menschen die zuerst nachfragen was überhaupt Sache ist und ihre eigenen Gedanken in respektvoller Art und Weise auf Augenhöhe äußern. Das mag ich.

Aber was sind übergriffige Ratschläge?

Meiner Meinung nach: wenn jemand Ansprüche und Wünsche auf jemand anderen projiziert und dann im eindringlichen (nahezu Befehls-)Ton einen fertigen Plan für das Leben des Anderen präsentiert. Dabei spielt es keine Rolle was der Beratschlagte eigentlich möchte und denkt. Wenn er äußert, kein Interesse am Thema zu haben oder sich das anders vorzustellen wird das wahlweise ignoriert oder mit einem „Ach, das ändert sich noch.“ abgetan. Hinterher wird es unter Umständen übel genommen wenn der Ratschlag nicht angenommen wird.

Wer agiert so?

Meiner Erfahrung nach Menschen, die nicht nah genug stehen um die jeweilige Situationen wirklich gründlich durchschauen zu können aber nicht weit genug weg um eben diese Personen im Gespräch ignorieren zu können.

Wie würde ich ein übergriffiges Gespräch führen?

Vorsicht, das ist rein fiktiv, überzeichnet und dient der Deutlichmachung der Thematik:

Ich: Würdest du nicht auch gerne malen?

Jemand: Nö.

Ich: Ach das ändert sich noch. Wart’s nur ab, wenn du den Pinsel erst mal in der Hand hast willst du eh nichts anderes mehr. Du hast jetzt nur Angst es nicht zu schaffen. Lass dich doch von dieser Angst nicht beherrschen! Pass auf, da ist ein Geschäft an der Heeresbäckerei, du musst spätestens nächste Woche dahin gehen. Ruf mich an. Ich helfe dir eine Staffelei auszusuchen. Ich bau sie dir auch zuhause auf. Und dann musst du dich bei einem Kurs anmelden. Das musst du aber auch machen! Aber Platz freiräumen zuhause musst du schon selbst. Das kann ich wirklich nicht auch noch für dich machen. Ich helfe dir ja gerne, das weißt du hoffentlich. Das muss dann nächste Woche soweit vorbereitet sein. Ich bringe dir Pinsel mit. Aber du musst echt vorher Zuhause Platz machen. Weißt du schon welche Farben du verwenden willst?

Jemand: Ich will doch aber gar nicht…

Ich: Du musst dir überlegen was du willst. Malen Zuhause oder einem Kunstkurs? Ich kann dir die Entscheidung nicht abnehmen. Das musst du mittlerweile wissen!!! Aber lass dich nicht so von der Angst beherrschen. Kopf hoch, du lernst zu malen! Und schreib mir, wenn du meine Hilfe nicht annimmst kann ich’s auch nicht ändern. Mehr als Hilfe anbieten kann ich leider auch nicht. Du musst die Hilfe halt auch annehmen wollen!

Was stimmt daran nicht?

Der „Jemand“ wird 1. nicht ernst genommen, es wird ihm nicht zugetraut ein erwachsener Mensch zu sein, der eigene Entscheidungen für sein persönliches Leben treffen kann und „Ich“ weiß sowieso besser was „Jemand“ will, er muss es nur begreifen.

Was sind die Top-Themen mit denen ich in solcher Form mehrmals wieder konfrontiert wurde (obwohl ich immer sagte dass das momentan kein Thema für mich ist)?

  •  zeitnahes Anschaffen von mindestens einem Kind (Top-Thema!)
  • Anmietung eines Schrebergartens (bemerkenswert oft, obwohl ich nie eine Geheimnis aus meiner Abneigung gegenüber Gartenarbeit gemacht habe)
  • Kauf eines Autos
  • Abschneiden meiner Haare
  • Aufgeben meiner Interessen
  • (einer meiner Favoriten:) das mit dem Asperger vergessen oder wenigstens darauf keine Rücksicht nehmen (= keine Rücksicht auf mich nehmen)
  • Nachholen einer kirchlichen Hochzeit

Wenn ich mir die Liste so anschaue kann ich nur sagen: Das ist der Stoff aus dem meine Albträume genäht wurden.

Natürlich kann es sein dass sich manche Dinge und meine Einstellung zu manchen Dingen oder meine Wünsch ändern. Aber dann weil es natürlich so passiert und nicht weil mir das irgendwer so eingetrichtert hat.

Was würde ich mir stattdessen wünschen? – Die Weisheit der Selbsthilfegruppen

In vielen Selbsthilfegruppen gibt es Regeln der gegenseitigen Kommunikation. Ich denke wir könnten alle respektvoller miteinander umgehen und uns seltener gegenseitig verletzen wenn man solche Kommunikationsregeln auch im Alltag beachten würde.

Zum Beispiel:

  • nicht unterbrechen
  • nur von sich selbst, also in der „Ich“-Form sprechen, nicht mit „man“ oder „wir“
  • die Gefühle und Erfahrungen des Gegenübers stehen lassen
  • keine vorschnellen Ratschläge geben, bzw. ungefragt überhaupt keine Ratschläge geben
  • warum-Fragen vermeiden und eher unterstützende Fragen stellen wie z.B. „ Wie hast du dich dabei gefühlt?“
  • die Grenzen des Gegenübers respektieren
  • Gefühle aushalten anstatt sofort zu trösten oder zu urteilen

Ich persönlich würde Kommunikation in diesem Rahmen stets schnellen Ratschlägen, Urteilen sowie Erklärungsversuchen vorziehen.

Ich denke ich werde nun versuchen diese Regeln zunehmend zu verinnerlichen.

Hier fand ich einen ähnlichen Beitrag in einem Blog namens Suedelbien.

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